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Aerobic + Yoga = Pilates

Michaela H. Nevosádová
I write, I take photos, and I just love to move. 🙂

Wie alte Trends im neuen Leggings-Outfit wiederkommen (und warum uns das interessieren sollte)

Der Impuls für diesen Artikel kam aus einer Instagram-Story der Trainerin Jana Rachno (@jana_rachno), die uns ziemlich getroffen hat. Jana teilte dort einen Gedanken darüber, wie Bewegung immer mehr zum „Produkt“ wird – wie sich Namen, Versprechen und Bildsprache verändern, unsere Körper aber gleich bleiben und denselben, seit Jahren bewährten Prinzipien folgen.

Schauen wir uns diese „Mode in Bewegung“ also einmal genauer an. Nicht, um am Ende eine Disziplin zur Siegerin zu küren, sondern um uns daran zu erinnern, wo in diesem ganzen Spiel der Mensch bleibt – und welche Rolle ein System wie Zenamu dabei spielt (und bewusst nicht spielen will).

Als eine Kassette die Welt veränderte: die Aerobic-Ära

Anfang der 80er-Jahre reichte ein Druck auf „Play". Jane Fonda in bunten Leggings, ein Kassettenrekorder, und das Wohnzimmer verwandelte sich in ein Fitnessstudio. Ihr Jane Fonda’s Workout von 1982 wurde zur Ikone – in den folgenden Jahren wurden weltweit rund 17 Millionen Exemplare dieser Fitnessvideos verkauft,1 was nicht nur das Heimtraining, sondern auch den Markt für Videorekorder verändert hat.

Aerobic hatte eine sehr einfache Art von Magie. Es war günstig. Es war praktisch für alle erreichbar, die einen Fernseher und ein bisschen Platz auf dem Wohnzimmerboden hatten. Und es trug eine völlig ungeniert fröhliche Energie in sich – Musik laut, mit einer Freundin durchs Wohnzimmer hüpfen, ganz ohne spirituellen Subtext.

Doch dann passierte etwas, das wir in der Fitnesswelt bis heute sehen: Wenn ein Trend durch die Decke geht, bieten ihn plötzlich alle an. Die Qualität der Stunden driftet auseinander, Authentizität verwässert, ein Teil der Menschen brennt aus… und die kollektive Aufmerksamkeit wandert leise weiter.

Yoga: von der spirituellen Praxis zum Lifestyle-Business

Die nächste große Welle kam von der anderen Seite des Spektrums. Yoga wanderte vom Rand in die Mitte der Gesellschaft: von einer kleinen Gruppe „komischer Leute auf Matten“ hin zu einer vollwertigen Lifestyle-Kategorie.

Die Zahlen untermauern das. Laut einer Analyse von Future Market Insights hat der globale Yogamarkt im Jahr 2024 ein Volumen von rund 119 Milliarden USD und könnte bis 2034 auf 288 Milliarden USD anwachsen.2

Eine andere Studie von Expert Market Research schätzt den Yogamarkt im Jahr 2024 auf etwa 115,43 Milliarden USD, mit einem erwarteten jährlichen Wachstum von rund 9 %.3

In der Praxis bedeutet das hochwertige Studios in den Großstadtzentren, Design-Matten mit dazu abgestimmten Kleidungslinien, Retreats, die als „Yoga & Brunch“-Wochenenden verkauft werden, und Spiritualität, die ordentlich in die Brand-Identität eingewoben ist. Eine Reise, die ursprünglich nach innen führte, wurde mit der Zeit zu etwas, das sich verpacken, fotografieren und verkaufen lässt – und sobald wirklich jede:r unterrichtet, geht ein Teil der ursprünglichen Tiefe verloren.

Pilates und Reformer: der neue Star (mit Premium-Preisschild)

Auf die Bühne tritt der nächste Star – Pilates, und ganz besonders die „Instagram-taugliche“ Variante auf dem Reformer. Klare Linien, weiße Wände, ordentlich aufgereihte Geräte, Slow-Motion-Aufnahmen von „long & lean“-Körpern.

Aus Business-Sicht ist das sehr logisch:

  • Studios investieren teils hohe fünf- bis sechsstellige Beträge in die Ausstattung,
  • sie können höhere Preise pro Stunde verlangen,
  • es entsteht das Gefühl eines luxuriösen Erlebnisses, das sich gut verkaufen lässt.

Und das Ganze ist nicht nur ein Gefühl. Laut Daten der Sports & Fitness Industry Association, über die unter anderem Women’s Health berichtet, ist Pilates zur am schnellsten wachsenden Trainingsform in den USA geworden: Zwischen 2019 und 2023 stieg die Zahl der Menschen, die Pilates machen, um fast 40 % (von 9,2 auf 12,9 Millionen), während Yoga „nur“ um 23,6 % wuchs.4

Les Mills beschreibt in seinen Reports Pilates- und „Sculpt“-Kurse als einige der größten Stars der letzten Jahre – dank der Kombination aus Kraft, Mobilität und einem starken „Feel-Good“-Effekt, der vor allem jüngere Generationen anspricht.5

Kurz gesagt: Pilates reitet heute auf derselben Welle, auf der vor ein paar Jahren Yoga unterwegs war. Nur mit einer anderen Bildsprache und einem anderen Vokabular.

Daten statt Mantras: Longevity, Biohacking und „wissenschaftliche Gesundheit“

Sobald sich die Sprache des Spirituellen erschöpft, zieht eine neue ein: Daten, Longevity, Neuroplastizität, Biohacking, Evidence-based.

„Wir wollen kein spirituelles Blabla, wir wollen Fakten."

Und damit kommen Fitness-Tracker und Diagramme der Herzratenvariabilität, 12-Wochen-Longevity-Programme, Cold Plunges, Infrarot-Panels, Supplements „für alles“ und Trainingspläne, die „X % besseren Schlaf“ oder „Y zusätzliche gesunde Lebensjahre“ versprechen.

Wissenschaft ist großartig. Daten sind wichtig. Aber in dem Moment, in dem unsere Gesundheit vor allem zu einem Investitionsprodukt wird, rutschen wir schnell in die nächste Runde der Jagd nach dem „richtigen Trend“ – statt das Einfachste wahrzunehmen: wie wir uns heute, in unserem eigenen Körper, fühlen.

Was die Zahlen sagen: Fitness als globales Geschäft

Wenn wir persönliche Geschichten kurz beiseitelassen und auf die Daten schauen, ergibt sich ungefähr dieses Bild:

  • Der globale Markt für Health & Fitness Clubs (Fitnessstudios, Studios, Wellnesszentren) lag 2023 bei rund 112,17 Milliarden USD und könnte bis 2030 auf mehr als 202,78 Milliarden USD anwachsen.6
  • Das Segment der Pilates- und Yoga-Studios wird für 2024 auf etwa 161,98 Milliarden USD geschätzt, mit einer Prognose von 430,87 Milliarden USD bis 2034.7
  • Pilates ist laut aktuellen Zahlen die am schnellsten wachsende Trainingsmodalität der letzten Jahre, während Yoga weiterhin eine sehr starke und stabile Basis hat.47

Also nein – Yoga „stirbt" nicht. Und Aerobic ist auch nicht „verschwunden".

Wir leben einfach in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit in Zyklen wandert – und alle paar Jahre taucht eine „neue alte“ Disziplin auf, mit frischem Branding, neuen Versprechen und einem neuen Preisschild.

Was wir aus diesen Wellen eigentlich mitgenommen haben

Wenn wir die Marketing-Schicht abziehen, bleibt etwas erstaunlich Einfaches. Aerobic hat uns die Musik gegeben, die Gruppen-Energie, dieses Hochgefühl, das entsteht, wenn man sich nach einem harten Tag mit anderen Menschen gemeinsam bewegt. Yoga hat uns daran erinnert, wie man atmet und mit sich selbst sitzt, wenn der Rest des Lebens laut ist. Pilates hat uns gelehrt, auf kleine Mechaniken zu achten – welcher Muskel gerade arbeitet, woher die Stabilität wirklich kommt. Nichts davon gehört zu einem einzigen Trend; es wird nur alle paar Jahre neu verpackt und neu bepreist.

Das eigentliche Problem beginnt nicht bei der Frage, ob wir auf der Matte, am Gerät oder in Sneakers trainieren. Es beginnt in dem Moment, in dem aus einer Stunde nur noch ein „Slot im Stundenplan" wird, den wir füllen müssen – und aus Lehrenden „Produkte", die auf Knopfdruck ein perfektes Erlebnis liefern sollen.

Welche Rolle Zenamu in diesem Bild spielt

Und hier kommen wir zu dem, was wir bei Zenamu tun – und was wir ganz bewusst nicht tun möchten:

Wir wollen nicht entscheiden, welcher Trend gerade der „richtige“ ist.

In unserem System existieren völlig selbstverständlich nebeneinander ein Abend-Yoga im Nachbarschaftszentrum, ein Premium-Pilates-Reformer-Studio, ein morgendliches Krafttraining in einem kleinen Gym, ein Rückenkurs für Senior:innen und Kindertanz-Stunden. Für Zenamu sind das alles „nur“ unterschiedliche Stundentypen in der Datenbank. Das Wesentliche passiert zwischen Lehrenden und den Menschen im Raum, zwischen Bewegung und Körper, zwischen Intention und gelebter Realität.

Unsere Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass:

  • sich der Stundenplan in Minuten einrichten lässt, nicht in Abenden,
  • Kund:innen Stunden finden und buchen können, ohne unnötige Hürden,
  • Stornos, Wartelisten, Zahlungen und Mitgliedschaften nicht mehr wehtun als ein Beintraining,
  • ein Studio Zahlenklarheit hat, ohne seine Seele zu verlieren.

Anders gesagt: Zenamu soll ein starker Backstage sein – nicht der Star auf der Bühne.

Ihr Körper braucht keinen neuen „Trend". Er braucht Aufmerksamkeit.

Wenn man Marketing und Tabellen zur Seite schiebt, tauchen ein, zwei sehr ehrliche Fragen auf. Bemerken Sie eigentlich, wie Sie atmen, wenn Sie sich bewegen? Verlassen Sie die Stunde mit dem Gefühl, dass es sich in Ihrem Körper ein kleines bisschen leichter lebt als noch vor einer Stunde? Der Name auf dem Stundenplan – Aerobic, Power Flow, Sculpt, Reformer – zählt viel weniger als die Frage, ob Sie zerstreut hereinkamen und ein Stück präsenter wieder hinausgegangen sind.

Gesundheit lässt sich nicht als Einmal-Produkt kaufen. Man kann sie nur leben – in kleinen, oft unscheinbaren Schritten. Und wenn Zenamu Ihnen dabei helfen kann, indem es Anmeldungen, Zahlungen und Stundenplan von Ihrem Tisch nimmt, damit mehr Energie für die Menschen vor Ihnen und Ihre eigene Praxis übrig bleibt – genau dort versuchen wir, nützlich zu sein.


Footnotes

  1. Jane Fonda's Workout – zusammenfassende Schätzungen der Verkaufszahlen (ca. 17 Mio. Kopien), z. B. Wikipedia – Jane Fonda's Workout sowie Artikel wie Vogue: Jane Fonda's Workout From 1982 Is Still the Best Exercise Class Out There.

  2. Future Market Insights – Yoga Market Size & Trends 2024–2034.

  3. Expert Market Research – Yoga Market Size, Share, Growth, Trends, Report 2034.

  4. Women’s Health – Pilates Is The Fastest Growing Workout Modality, For Good Reason, unter Bezug auf Daten der Sports & Fitness Industry Association (SFIA). 2

  5. Les Mills – z. B. Top 6 Fitness Trends for Clubs in 2023 und Fitness in Focus: 6 Things We Learned in 2023.

  6. Fortune Business Insights – Health and Fitness Club Market – Infographic und der zugehörige Report Health and Fitness Club Market Size, Share & Growth.

  7. Polaris Market Research – Pilates & Yoga Studios Market Size, Share & Report sowie Pressematerialien mit Marktprognosen bis 2034. 2